Unser eigenes Feld und neue Aufgaben

Langsam geht der Monsun zu Ende und der Winter steht vor der Tür, was trockeneres und kühleres Klima vorhersagt – theoretisch, denn während der Monsun dieses Jahr sehr trocken ausgefallen ist, gibt es diesen November überdurchschnittlich viel Regen.

Nun haben wir unser "eigenes" Feld bekommen, auf dem wir, nach Absprache mit dem Chef der Farm frei arbeiten und planen können. Eine riesen Chance auf eigene Erfahrungen und Experimente aber auch viel Arbeit: Zuerst musste geklärt werden wie groß die einzelnen Beete werden sollten, wie sie ausgerichtet werden sollten und was gepflanzt werden soll. Da es sich hier um permanente Beete handelt, haben wir an den Grenzen Ziegeln eingegraben. Die so entstandenen Beete werden wir zeitnah mit dünnen Ästen, abgeschnittenen Gräsern und Kompost befüllen. In den so aufgewerteten Boden kommen dann unter anderem Kartoffel-, Salat-, Tomaten- und verschiedenste Kräutersetzlinge.

Nach der Arbeit gibt es dann Chaha, vielleicht besser bekannt als Chai und der ist hier ein absolutes Ritual: Morgens vor dem Frühstück und zwischen Mittag- und Abendessen gibt es immer Tee - immer! Ein Gast wird oft schon beim Eintreten, nachdem er sich seine Schuhe ausgezogen hat, gefragt, ob er einen Chaha möchte. Ich habe bisher meist die Erfahrung gemacht, dass Teetrinken weniger eine entspannende Tätigkeit, sondern eher eine Nebensächlichkeit ist, die aber Menschen zusammenführt und stets zu Gesprächen anregt. Außerdem ist „Cahâ gyâ!“ (marathi: „Hier, nimm einen Tee!“) immer ein guter Eisbrecher und hilft im Zweifelsfall auch mal gegen Langeweile. Der frisch aufgekochte Tee wird üblicherweise mit viel Milch und Zucker getrunken und schmeckt sehr süß. Kinder lösen manchmal auch kleine, harte Brötchen, Batters genannt, in ihrem Tee auf, und löffeln den Brei als Zwischenmahlzeit.  Bei uns auf der Farm sind mein Mitfreiwilliger und ich somit die Einzigen die regelmäßig Kaffee trinken, daher ist es immer wieder ein kleines Spektakel wenn wir für alle Kaffee kochen.

Aber nicht nur für Tee-Liebhaber, sondern auch für Vegetarier ist Indien ein echter Reisetipp! Alle vegetarischen Lebensmittel sind mit einem kleinen grünen Punkt gekennzeichnet. Zurückzuführen ist das auf den hinduistischen Glauben, in dem es nicht erlaubt ist Rindfleisch zu essen. Produkte in denen Fleisch verarbeitet ist, sind daher mit einem, auf mich ziemlich abschreckend wirkenden roten Punkt gekennzeichnet.

Neu für mich war außerdem, dass in Maharashtra Preise auf die Verpackungen gedruckt sind. Zwar muss man oft lange suchen, bis man dann die Rupien-Angabe gefunden hat, sehr praktisch ist es dennoch. Da Handeln für mich noch völlig neu war zu Beginn, war ich doch immer recht froh über die fest aufgedruckten Preise. Verhandlungen über Preise hatte ich bisher hauptsächlich mit Rikscha-Fahrern und so langsam habe ich gelernt, dass es, wenn beide Parteien Spaß am Handeln haben, keine Verlierer gibt.

Ich persönlich finde es sehr interessant, wie schnell mir vieles in diesem eigentlich so fremden Land, so vertraut wurde und wie normal es mittlerweile zum Beispiel ist, beim Essen auf dem Boden zu sitzen. Jedoch habe ich auch gelernt, dass Indien stets für eine Überraschung gut ist und man immer auf alles gefasst sein sollte – im positiven Sinne!

Update: Leider habe ich nun seit ein paar Wochen Schmerzen in der linken Hüfte – nichts dramatisches, trotzdem habe ich für eine Zeit lang in der WG von vier anderen Volunta-Freiwilligen direkt in Pune gewohnt, um näher bei den Ärzten zu sein. Im Moment bin ich auf dem besten Weg zur vollen Genesung und befinde mich auch wieder auf der Farm. Ich hoffe, dass ich möglichst bald wieder voll mit anpacken kann, denn es juckt mich mittlerweile schon ziemlich in den Fingern wieder körperlich aktiv zu werden. Da ich die letzte Zeit ruhen musste, beschränkten sich meine Tätigkeiten für die Farm nämlich auf theoretische Aufgaben wie das Zusammenfassen einer Pflanzen-Liste - was wird wie gepflanzt und welche Pflanzen passen zusammen. Im Nachhinein eine gute Abwechslung und Möglichkeit viel über Agrikultur zu lernen.

Nachdem ich nun Zeit hatte mich daran zu gewöhnen einen Supermarkt, eine Apotheke, eine Bank und einen Straßenstand mit köstlichen Samosa (eine Art Kartoffelbrei mit Gewürzen, frittiert in einem Teigmantel) direkt vor der Tür zu haben, wird es jetzt erstmal wieder eine Umstellung zurück auf dem Land. Aber die Ruhe und die frische Luft sind mir das absolut wert!

PS: Das Essen, welches wir auf der Farm bekommen ist sowieso besser als jeder Straßenstand :P

In diesem Sinne.. Liebe Grüße aus Nanegaon!

 


Bevor wir auf den Feldern arbeiten konnten, mussten wir mit dieser Maschine erst den Boden auflockern.
Bevor wir auf den Feldern arbeiten konnten, mussten wir mit dieser Maschine erst den Boden auflockern.
In den so vorbereiteten Boden haben wir dann Ziegeln eingegraben, um die permanenten Beete abzugrenzen. Hier zu sehen sind 1 1/2 Beete mit einem Weg dazwischen.
In den so vorbereiteten Boden haben wir dann Ziegeln eingegraben, um die permanenten Beete abzugrenzen. Hier zu sehen sind 1 1/2 Beete mit einem Weg dazwischen.
Am Festtag zu Ehren der Kuh, hat man überall bunte Kühe und Ochsen wie diese gesehen.
Am Festtag zu Ehren der Kuh, hat man überall bunte Kühe und Ochsen wie diese gesehen.

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