Halbzeit (vorbei) im bunten, lauten und vor allem schönen Indien

In all der Zeit die ich nun schon in Indien verbracht habe, bin ich immer wieder auf eine Beschreibung für dieses Land gestoßen: Bunt - in vielerlei Hinsicht. Angefangen bei der Kleidung der Frauen, die alle Farben beinhält die man sich vorstellen kann. So sieht man selten mehrere Saris mit denselben Farben auf einmal. Aber auch das Essen und die darin enthaltenen Gewürze strahlen einen mit ihrem hauptsächlich Gelb und Rot an. Nicht zu vergessen die Leuchtreklamen, die gefühlt jeden freien Quadratzentimeter der Wände bedecken und nachts millionenfach die Straßen beleuchten. Da in Indien so unglaublich viele Menschen leben, findet man sich auch immer wieder in den buntesten Ansammlungen von Persönlichkeiten und Charakteren wieder.

 

Ein weiteres Adjektiv für Indien wäre „laut“. Besonders in den Städten wird auf den Straßen  tagsüber sehr viel gehupt – nicht nur ein Klischee sondern Alltag und Teil des Straßensystems. Bei Veranstaltungen übertragen Lautsprecher, die in Deutschland möglicherweise aufgrund ihrer Lautstärke verboten wären, die Reden an ganze Dörfer und Stadtteile - nachts werden eben diese genutzt, um in den Tempeln religiöse Musik zu spielen. Und dann wäre da noch die Sprache Marathi, die meiner Erfahrung nach eher lauter als leiser gesprochen wird – was auf mich daher manchmal schon aggressiv wirkt ist eigentlich absolut nicht so gemeint.

 

Ich könnte nun schreiben, dass es für mich schwierig ist bei dieser Geräuschkulisse zurecht zu  kommen aber zum einen ist es auf der Farm relativ ruhig und zum anderen habe ich mich sehr schnell daran gewöhnt, dass es nie komplett still ist. Vielleicht werde ich mich in den verbleibenden fünf Monaten sogar so sehr daran gewöhnen, dass ich mich dann nur noch zwischen klingelnden Handys, lauten Fernsehern und schreienden Kindern wohlfühle – wer weiß. Was ich jetzt schon weiß, ist, dass Indien für mich persönlich die richtige Entscheidung war, auch wenn es eher Zufall als meine eigene Entscheidung war was mich hierher gebracht hat.

 

Auf dem Feld sind die gerade entstehenden Kaffeefelder unser neuestes Projekt. Dort haben wir nun ca. 200 Setzlinge gepflanzt - doch bis zu den geschätzten 2000 ist es noch ein weiter Weg. Denn bevor wir pflanzen können, müssen wir die Konturen des Berges mit einer Art Wasserwaage feststellen und kennzeichnen. Es ist wichtig an einem Hang in horizontalen Linien zu pflanzen um die Erde zu stabilisieren und so vor Erosion zu schützen - nur eine von vielen Techniken und Weisheiten die ich in letzter Zeit lernen durfte. Dann graben wir entlang dieser Linien Löcher, füllen sie mit Kompost und setzen die Pflanzen ein.

 

Ein Stückchen den Berg rauf haben wir nun mittlerweile 12 permanente Beete aus Dachziegeln gebaut und bepflanzt. Hauptsächlich wachsen dort zur Zeit Tomaten -  aber auch Basilikum, Petersilie, Broccoli und Senf sind vertreten. Leider haben wir einige Probleme mit Rehen, Wildschweinen, Hasen und Affen die uns regelmäßig die kleinen Triebe abfressen. Mit Windspielen und Vogelscheuchen versuchen wir nun dagegen anzukommen.

 

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Zeit hier auf dem indischen Subkontinenten schneller vergeht. Das mag daran liegen, dass es jeden Tag nur 12 Stunden hell ist oder daran, dass es noch so viel gibt was ich gerne tun würde. Nun ist bereits mehr als die Hälfte meines Auslandjahres vorbei und ich kann schon jetzt sagen, dass ein Jahr nicht zu viel sein wird, da es schon eine ganze Weile braucht um sich überhaupt zurecht zu finden, bevor man sich ernsthaft Projekten widmen kann – von der Sprachbarriere ganz zu schweigen.

 

 

Update: Ostersonntag war auf der Farm einiges los denn wir haben für die Kinder bunte Eier und Süßigkeiten versteckt die sie dann mit viel Freude gesucht und gefunden haben. Bei den Eltern gab es allerdings zuerst Stirnrunzeln über diese für sie völlig neue Tradition. Zusätzlich zum ersten Osterfest auf der Gorus-Farm wurde an diesem Tag auch noch ein neues Kalb geboren, womit wir nun vier Kühe haben.  

 

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