Zwischenseminar und der aktuelle Alltag zweier Freiwilligen bei Gorus

 

Seit mehr als 7 Monaten bin ich nun in Indien und so kommt langsam eine Art Alltag auf, daher kam das Zwischenseminar Ende Februar als Abwechslung ganz gelegen. Dieses fand, zufälligerweise ebenfalls auf einer organischen Farm in der Nähe von Pune mit allen Volunta-Freiwilligen aus der Millionen-Metropole statt.

 

Diese fünf Tage waren sehr gut um sich untereinander auszutauschen, Tipps zu geben aber auch um die vergangene Zeit zu reflektieren.

 

Ebenfalls hat mir das Seminar wieder vor Augen geführt, wie subjektiv meine Berichterstattung aus Indien ist und dass ich noch lange kein Indien-Experte bin. Daher möchte ich an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen um zu verdeutlichen, dass alle meine Erzählungen ausschließlich auf Erfahrungen und Erzählungen beruhen. Indien ist ungefähr neunmal so groß wie Deutschland und somit ist es unmöglich, und auch gar nicht mein Ziel, dieses unglaublich interessante Land auf in ein paar Zeilen und Bilder zu reduzieren.

  

Der oben angesprochene Alltag sieht momentan wie folgt aus: Gegen 7 Uhr aufstehen und nach einem Kaffee auf die Terrassen um die Beete zu gießen. Da es mittlerweile zur Mittagszeit ungefähr 40 Grad hat benötigen die Pflanzen täglich Wasser. Nach dem Wässern gibt es Chai und Frühstück, danach stehen Arbeiten wie Pflanzen und Beete pflegen, neue Felder anlegen oder aktuelle Projekte an. Gegen 11 Uhr ist dann aber erstmal temperaturbedingt Schluss. In unserer ca. 5 stündigen Pause werden Aufgaben am Computer erledigt, zu Mittag gegessen, die Samenbank gepflegt und natürlich Wäsche gewaschen. Abends wird dort weitergemacht wo wir Morgens aufgehört haben, zusätzlich ist dann die beste Zeit um zu ernten und neue Pflanzen zu pflanzen. Geerntet werden zur Zeit zum Beispiel Tomaten, Basilikum, Papayas und ca. 7 kg Chillis pro Woche.

 

Unser letztes großes Projekt war die Erneuerung des Greywater-Systems vor unserem Haus. Dieses reinigt das Wasser welches aus den zwei Küchen kommt, Grauwasser genannt da es nicht so sehr von Waschmitteln verunreinigt ist wie das Wasser aus dem Bad. Das System ist mit verschieden großen Steinen befüllt in denen unter anderem verschiedene Schilfarten wachsen, deren Wurzeln das Wasser reinigen. Am Ende bewässert dieses über Rohre einen von uns neu angelegten Garten. Diesen Garten haben wir ebenfalls terrassenförmig im Hang angelegt um mithilfe der Gravitation das Wasser gleichmäßig verteilen zu können ohne eine Pumpe verwenden zu müssen – bei relativ häufig vorkommenden Stromausfällen sehr hilfreich.  

  

Am 24. März habe ich mit Freunden in Pune das Holi-Festival gefeiert, welches als Musikfestival auch in Deutschland bekannt ist. Allerdings feiern Hindus dieses Fest zum Einzug des Frühlings und zum Sieg des Guten über das Böse. Dieses Fest dauert in Teilen Indiens eine Woche an, daher ist es auch nach dem 24.3. immer wieder passiert, dass wir plötzlich mit Farbe beworfen wurden - spontan, wie ich Indien auch sonst kennengelernt habe. Mir kam es zu dieser Zeit vor als wolle Indien der ganzen Welt zeigen wie gerne es bunt und laut feiert, was immer wieder schön anzusehen ist. Wie auch in Deutschland bewerfen sich die Feiernden am zweiten Holi-Feiertag mit Farbe, ursprünglich war es jedoch die Asche der am Vortag gemachten Feuer. Für mich war Holi eine schöne Erfahrung und ich konnte Indien noch einmal von seiner buntesten und verrücktesten Seite kennenlernen. 

Auf den Bildern zu sehen (von links nach rechts/oben nach unten; Bilder lassen sich per Klick vergrößern):

1. Alle Volunta-Freiwilligen und unsere Seminar-Leiterin.

2. Die Kinder haben uns mit Freude dabei geholfen die alte Erde aus dem Greywater-System zu holen und auf den Feldern zu verteilen.

3. Das fertig bepflanzte System reinigt nun unser Küchenwasser.

4. Santosh, der Vater der Familie und mein Mitfreiwilliger Konstantin beim Ernten der Chillis.

5. Konstantin und ich bei einem Sonntagsausflug zu ca. eine Stunde entfernten Mulshi-See, einem von zahlreichen Staudämmen die Pune mit Wasser versorgen.

6. Nach dem Holi-Festival war alles bunt. Viele der Farben waren aus natürlichen Rohstoffen gemacht, daher hat Gelb zum Beispiel nach Kurkuma geschmeckt.

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