Große Veränderungen und biologische Auster-Pilze

 Der Sommer ist nun schon seit einer ganzen Weile in Nanegaon angekommen und er bringt ein, in Indien leider recht großes Problem mit sich - Wasserknappheit. Indien soll eines der Länder sein die vom Klimawandel am meisten zu spüren bekommen und so auch meine Erfahrungen in den letzten Monaten: Der Monsun 2015 war verhältnismäßig trocken und dieses Jahr wurde es schon früh wärmer – diese Kombination führt leider vielerorts dazu, dass Brunnen und Bohrlöcher austrocknen. Bei Gorus ist es zum Glück noch nicht so schlimm, trotzdem müssen wir immer öfter und immer länger warten bis sich die Grundwasser-Reservoirs wieder gefüllt haben. Da die zwei härtesten Monate uns noch bevorstehen heißt es jetzt zusätzlich Wasser sparen und speichern wo es nur geht. So nutzen wir zum Beispiel nun das Wasser aus dem Waschbecken für die Toilettenspülung.

 

Solche Probleme zum ersten Mal hautnah zu erleben und an Lösungen arbeiten zu müssen hat bei mir dazu geführt, dass ich auf dem indischen Subkontinenten mehr über die Wichtigkeit von Wasser nachgedacht habe, als in meinem ganzen Leben zuvor. Wie wichtig und kostbar Wasser ist wurde mir erst hier so richtig bewusst.

  

Zusätzlich zur wechselnden Jahreszeit gab es bei uns eine große Veränderung, denn leider ist die Familie, mit der wir 7 Monate auf der Farm zusammen gelebt und gearbeitet haben aus familiären Gründen fortgezogen. Somit sind wir nun, mehr oder weniger alleine dafür zuständig, dass alles gut wächst und gedeiht. In den letzten Wochen mussten wir uns also vieles, was vorher nicht unser Aufgabengebiet war, aneignen und verstehen, wie zum Beispiel das Wassersystem mit seinen zwei Pumpen, drei Bohrlöchern und den überall auf der Farm zerstreuten sechs Wassertanks. Mit dem Wegziehen der Familie haben wir jetzt zwar mehr Verantwortung und Arbeit, auf der anderen Seite ist es aber auch eine neue und gute Erfahrung, sich teilweise alleine um alles zu kümmern - laut unseren Kollegen sind nun „echte Farmer“.

 

Bis die nächste Familie kommt, wird bei Gorus das Hauptgesprächsthema sein: „Was essen die zwei Freiwilligen denn jetzt?“. Die Frage nach der letzten Mahlzeit oder dem letzten Tee ist in Indien zwar oft eine Art Begrüßungsfloskel, sie wird uns zur Zeit aber überdurchschnittlich oft gestellt. Um uns das Kochen etwas zu erleichtern haben wir einen solar cookers gebaut. Der sonnenbetriebene Kocher besteht aus einem alten Autoreifen, etwas Alufolie und einer Glasscheibe - in diese Konstruktion stellen wir nun jeden Vormittag eine schwarz angesprühte sogenannte „Tiffin box“. Diese Box ist dazu da um Essen unterwegs mitnehmen zu können und ist in sehr vielen indischen Haushalten zu finden. Nach etwa 4 Stunden können wir uns dann unseren schonend gekochten Reis, Dhal und das Gemüse aus der Sonne holen – natürlich alles Bio.

 

Ein weiteres, größeres Projekt bei Gorus ist die Austern-Pilz-Produktion die in Kooperation mit einem Forschungsinstitut aus Mumbai gestartet ist. In einem der Lagerräume wurden vor einiger Zeit etwa fußballgroße Strohballen aufgehängt und mit den Pilzsporen geimpft. Nun wachsen, bei ca. 80 %  Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius Pilze, die über die Gemüsekisten als Spezialbestellungen ausgeliefert oder auf dem Markt verkauft werden.

 

 

Update: Mittlerweile merkt man schon wie die Luftfeuchtigkeit aber auch die Temperaturen immer höher werden und laut Prognosen soll schon in wenigen Wochen der Monsun anfangen. Angesichts der Wassersituation und vieler langsam vertrocknender Pflanzen auf der Farm hoffe ich, dass es noch schneller zu regnen anfängt.

 

Bald folgt ein Artikel über die Reise in den Norden Indiens, die drei andere Freiwillige und ich Anfang Mai unternommen haben – bleibt gespannt.

Eins unserer drei Bohrlöcher, die uns mit Grundwasser aus ca. 100 Meter Tiefe versorgen
Eins unserer drei Bohrlöcher, die uns mit Grundwasser aus ca. 100 Meter Tiefe versorgen
Um die Pflanzen vor dem Austrocknen zu bewahren haben wir sie gemulcht - also in dem Fall Reisstroh zwischen ihnen ausgelegt damit Wasser im Boden nicht zu schnell verdunstet
Um die Pflanzen vor dem Austrocknen zu bewahren haben wir sie gemulcht - also in dem Fall Reisstroh zwischen ihnen ausgelegt damit Wasser im Boden nicht zu schnell verdunstet
Familie Kadam, mit denen wir sehr viel Zeit verbracht haben und die uns einen goßen Einblick in ihre Kultur gegeben haben, ist nach ca. 7 monatigem Zusammenleben auf der Farm leider fortgezogen. Hier haben wir sie gerade besucht.
Familie Kadam, mit denen wir sehr viel Zeit verbracht haben und die uns einen goßen Einblick in ihre Kultur gegeben haben, ist nach ca. 7 monatigem Zusammenleben auf der Farm leider fortgezogen. Hier haben wir sie gerade besucht.
Unser Solarcooker nach dem Kochen, hier nur mit Reis. Die Tiffin-Boxen funktionieren über ein Stecksystem und werden gestaplt
Unser Solarcooker nach dem Kochen, hier nur mit Reis. Die Tiffin-Boxen funktionieren über ein Stecksystem und werden gestaplt
In einem gedämmten Lagerraum hängen hier mit Pilzsporen injizierte Strohballen.
In einem gedämmten Lagerraum hängen hier mit Pilzsporen injizierte Strohballen.
Diese biologischen Auster-Pilze sind bereit zur Ernte und werden dann entweder frisch oder sonnen-getrocknet verkauft
Diese biologischen Auster-Pilze sind bereit zur Ernte und werden dann entweder frisch oder sonnen-getrocknet verkauft

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